Serie
Research/ Studien
Gemessen8 Min. Lesezeit ·

897.000 Tests, rund 150 Musterfamilien, ein bestätigter Fund: der Neustart auf elf Jahren Minutendaten

Märkte
15 Märkte
Zeitraum
2015–2022 · Holdout 2023–06/2026
Stichprobe
≈897.000 Tests · 19 Holdout-Kandidaten
Kosten
netto, Spread + Slippage je Markt
Holdout-t-Werte der 19 Kandidaten: einer übersteht die globale Mehrfachtest-Korrektur
Holdout-t-Werte der 19 Kandidaten: einer übersteht die globale Mehrfachtest-Korrektur
Auf dieser Seite

Datenbasis: 15 Märkte (DAX, FTSE, CAC, SMI, Dow, Nasdaq, S&P 500, Nikkei, Hang Seng, ASX 200, Gold, EURUSD, GBPUSD, USDJPY, Bitcoin), Dukascopy-Minutendaten. Suchzeitraum 5. Januar 2015 bis 30. Dezember 2022, physisch getrennter Holdout 1. Januar 2023 bis 5. Juni 2026, jeder Kandidat genau ein Holdout-Lauf. Kosten je Markt als Spread plus Slippage, außerhalb der Kassa-Zeiten erhöht. Jede Rechenkette lief zusätzlich auf Zufallsmärkten mit identischem Code. Globale Benjamini-Hochberg-Korrektur (q = 0,10) über alle Holdout-Tests. Keine Handelsempfehlung.

Die Frage war einfach: Was findet man, wenn man alles vergisst, was man zu wissen glaubt, und die Daten von vorn durchsucht? Keine eigenen Setups, keine Lieblingsideen, keine Gewichtung nach Bauchgefühl. Stattdessen jede Musterfamilie, die in Büchern, Foren und Papers als profitabel gilt, auf denselben Daten und mit denselben Regeln.

Die Regeln waren streng, weil Mustersuche sonst immer etwas findet. Wer 900.000 Varianten testet, bekommt bei einer Irrtumswahrscheinlichkeit von 5 % rund 45.000 „signifikante“ Treffer, ohne dass irgendetwas davon echt ist. Deshalb wurde jede Variante protokolliert, jede Rechenkette auf einem Zufallsmarkt gegengeprüft, und nur eine kleine Zahl vorab benannter Kandidaten durfte überhaupt in den Holdout.

Protokollierte Tests je Gruppe von Musterfamilien

Anzahl der protokollierten Tests in den 16 Gruppen, logarithmische Skala. Jede Variante zählt in der Mehrfachtest-Korrektur mit, auch die, die schlecht aussahen.

1. Das Protokoll

Baustein Umsetzung
Suchzeitraum 2015 bis 2022, nur hier durfte gesucht und optimiert werden
Holdout 2023 bis Juni 2026, physisch getrennt gespeichert, je Kandidat genau ein Lauf
Zufallsmarkt jede Minutenkerze mit Wahrscheinlichkeit ½ an ihrem Open gespiegelt: gleiche Volatilität, gleiche Tagesprofile, keine Richtung
Protokoll jede getestete Variante mit Stichprobe, Mittel und t-Wert in einem Ledger
Benchmarks Random Walk, Placebo-Tage, Placebo-Level, Einstieg ein bis zwei Minuten später, Kosten mal 1,5
Nachprüfung jeder Kandidat von einer unabhängigen Neu-Implementierung reproduziert, bevor er in den Holdout durfte
Korrektur Benjamini-Hochberg über alle Holdout-Tests gemeinsam

Der Zufallsmarkt war das wichtigste Werkzeug. Er hat dieselbe Volatilität, dieselben ruhigen und hektischen Stunden, dieselben Sprünge, aber keine Richtung. Jede Regel, die dort Geld verdient, misst die Rechenkette, nicht den Markt. Wie wirksam dieser Schutz ist, zeigt die Studie zum Zufallsmarkt als Lineal: Unsere eigene ältere Backtest-Kette verdiente dort bis zu 0,5 R pro Trade.

2. Die Familien und ihre Ergebnisse

Familie Was geprüft wurde Ergebnis Studie
Kerzenmuster Engulfing, Pin Bar, Doji, Inside Bar, NR7 und Verwandte Zufallsniveau Kerzenmuster
Formationen Schulter-Kopf-Schulter, Doppeltop, Dreiecke, Flaggen Zielquote wie im Random Walk (46,5 zu 46,8 %) Formationen, Measured Moves
VWAP und Indikatoren VWAP-Bänder, RSI, MACD, Bollinger, Konfluenzen außerhalb Bitcoin keine Variante netto t ≥ 3 VWAP und Indikatoren
Al Brooks Always-in, H2/L2, Keile, gescheiterte Ausbrüche „80 % der Ausbrüche scheitern“ = Zufallsquote 80,3 % Al Brooks
Hougaard 3.780 Management-Politiken Management allein auf dem Zufallsmarkt = minus Kosten Hougaard
Market Wizards Raschke, Williams, Crabel, Sperandeo, Fisher, Schwartz 54 Treffer bei p < 0,05, rund 51 erwartet Market Wizards
Marktstruktur Retest, Sweeps, FVG, Order Blocks, OTE, Silver Bullet echte Level werden nicht öfter retestet als erfundene; 0 von 3.308 Regeln bestehen Smart Money Concepts
Preisdynamik Gaps, Schocks, Opening Range, Level, runde Zahlen Random Walk; runde Zahlen brechen öfter als Placebo-Level Gaps und Level
Umkehrpunkte Overnight-Range und Vortagesschluss Häufung = Aufenthalts-Artefakt Overnight-Range
Uhrzeit und Kalender Drift-Karte, Wochentag, Monatswechsel, Verfall kein Index-Fenster netto positiv Uhrzeit und Kalender
Erste gegen letzte Stunde „Anfang wie Ende“ Übereinstimmung 48 bis 51 % Erste und letzte Stunde
Makro-Termine FOMC, NFP, CPI, EZB, Earnings intraday Zufallserwartung Makro-Termine
Märkte untereinander Lead-Lag, Übergaben, Relative Value echt, aber höchstens 0,58-mal so groß wie die Kosten Lead-Lag
Psychologie und Risiken Angst-Spitzen, Sentiment, Geopolitik, Mond Zufallsmärkte liefern mehr starke Ergebnisse Psychologie
Einzelidee Nasdaq fällt um 8 Uhr, Retest shorten in allen Varianten negativ Nasdaq-Retest
Literatur sieben Paper-Anomalien vorregistriert nachgebaut brutto 40 bis 80 % der Paper-Größe, netto null Literatur
Machine Learning 98 Merkmale, Ridge und XGBoost, Walk-Forward Out-of-Sample-IC +0,004 bis +0,006 Machine Learning
Brute Force 682.000 Regeln, 20 Zufallssuchen bester Fund schlechter als der typische Zufallsfund Brute Force
Fixings London, Gold, Bitcoin, Yuan, EZB kein Edge Fixings
Weitere Zwangsflüsse Volatilitäts-Zielfonds, japanischer Bilanzstichtag kein Edge Zwangsflüsse
Index-Umstellungen Schlussauktion an Stichtagen FTSE global bestätigt Index-Stichtage
Tokio-Fix Dollar-Kauf japanischer Firmen um 09:55 lokal bestanden, global nicht, Vorwärtstest Tokio-Fix

3. Der Holdout

Aus allen Familien schafften es 19 Kandidaten in den Holdout. Im Suchzeitraum sahen alle plausibel aus, mit t-Werten zwischen 2,2 und 4,9. Genau das erwartet man, wenn man aus Hunderttausenden Varianten die besten auswählt. Der Holdout zeigt, was davon Selektion war.

Holdout-t-Werte der 19 Kandidaten

t-Wert je Kandidat im unberührten Holdout 2023 bis Juni 2026, je ein Lauf. Orange: nach globaler Korrektur bestätigt. Hell: lokal bestanden, global nicht. Grau: richtungsgleich, aber nicht signifikant. Dunkel: verworfen.

Ausgang Anzahl Beispiele
global bestätigt (q = 0,0008) 1 FTSE an Index-Stichtagen, +11,5 bps je Stichtag, t 3,9
lokal bestanden, global nicht (q 0,13 bis 0,15) 3 zwei Tokio-Fix-Regeln, eine Finanzstress-Regel mit Verdacht auf Revisions-Lookahead
richtungsgleich, nicht signifikant 6 US-Umkehr nach großem Vortag (65 % aus einem Tag)
verworfen 9 darunter ein Schlussmomentum aus der Literatur, das im Holdout signifikant umgekehrt lief (t −3,7)

Der interessanteste Fall ist das Zwillingspaar der Index-Stichtage. Sydney war im Suchzeitraum stärker (t 3,4) und starb im Holdout. London war schwächer (t 2,3) und überlebte. Das ist ein Grund, auch den einen Fund vorsichtig zu behandeln.

4. Was übrig blieb

Zwei Dinge haben eine Gegenpartei, die zu einem festen Zeitpunkt handeln muss, und beide zeigen in allen Kontrollen in dieselbe Richtung:

  • Index-Stichtage im FTSE: Passive Fonds handeln Umstellungen in der Schlussauktion. Holdout +11,5 bps je Stichtag, mit echten Broker-Ticks +11,9 bps, rund acht Termine im Jahr. Zur Studie.
  • Tokio-Fix in USDJPY: Japanische Firmen kaufen Dollar um 09:55. Mit echten Ticks +4,5 bis +5,6 bps je Trade, global nicht bestätigt, vorregistrierter Vorwärtstest bis September 2027. Zur Studie.

Dazu kommen Strukturen, die echt sind, aber nicht handelbar: Trends setzen sich ab einer Bewegung von 0,3 bis 0,5 ATR in 52 bis 54 % der Fälle fort statt in 50 %. Märkte laufen einander messbar voraus. Runde Zahlen werden häufiger durchbrochen als erfundene Level. Alles davon ist kleiner als der Spread eines CFD.

5. Was das heißt

Richtungsmuster auf CFD-Minutendaten sind nach Kosten leer. Das gilt für die klassischen Chartmuster genauso wie für die Methoden bekannter Trader und für Machine Learning. Übrig bleibt, was einen Mechanismus hat: jemand, der zu einem festen Zeitpunkt handeln muss, unabhängig vom Preis. Diese Edges sind klein und selten, dafür verschwinden sie nicht, weil jemand anderes sie auch kennt.

Die zweite Lehre betrifft das Werkzeug. Die größte Fehlerquelle war nicht der Markt, sondern die Rechenkette. Wer einen Backtest nicht auf einem Zufallsmarkt gegenprüft, kann nicht unterscheiden, ob er den Markt oder seine Simulation misst.

6. Grenzen

  • Mechanische Regeln auf CFD-Minutendaten mit festen Kosten. Diskretion, Orderbuch, Futures-Kosten und mehrtägige Haltedauer lagen außerhalb des Rahmens.
  • Teststärke des Holdouts. 3,4 Jahre reichen nicht, um echte Effekte von 1 bis 2 Basispunkten zu bestätigen oder auszuschließen. „Nicht gefunden“ heißt „nicht als Regel mit positivem Erwartungswert nachweisbar“.
  • Muster, die erst ab 2023 entstanden sind (etwa durch den Boom der Null-Tages-Optionen), kann dieses Design nicht finden. Das war der bewusste Preis für einen sauberen Holdout.
  • BID-Daten erzeugen Schein-Effekte um den Rollover (17:00 New York) und die Wiedereröffnung von Gold. Diese Fenster wurden gesperrt oder mit echten Spreads gerechnet.
  • Revidierte Makrodaten erzeugen Lookahead, wenn man keine Echtzeit-Stände verwendet. Der eine betroffene Kandidat ist entsprechend markiert.

Disclaimer: Historische Statistiken sind keine Garantie für zukünftiges Marktverhalten. Diese Studie ist keine Anlageberatung. Trading birgt Verlustrisiken bis hin zum Totalverlust.