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Research/ Studien
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80 % der Ausbrüche scheitern, genau wie im Zufall: Al Brooks' Price Action gegen den Zufallsmarkt

Märkte
7 Märkte
Zeitraum
2015–2022
Stichprobe
3.586 Regel-Varianten
Kosten
netto, Spread + Slippage
Rund 80 % der Range-Ausbrüche scheitern, in echten Märkten und in einem Zufallsmarkt gleich oft
Rund 80 % der Range-Ausbrüche scheitern, in echten Märkten und in einem Zufallsmarkt gleich oft
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Datenbasis: DAX, FTSE, Dow, NQ und SPX in der Kassa-Session auf 5-Minuten-Kerzen, als Übertragungstest zusätzlich Gold und EURUSD. Dukascopy-CFD-Minutendaten (BID), Suchzeitraum 2015–2022. Einen Holdout gibt es nicht, weil kein Kandidat übrig blieb. Kosten: fester Round-Trip aus Spread und Slippage (DAX 2,5, FTSE 1,5, Dow 4,0, NQ 2,5, SPX 0,8 Punkte), das sind 0,17–0,27 R je Trade. Benchmarks: die Random-Walk-Formel, Zufallstage gleicher Tageszeit und Seite (Placebo) und ein Zufallsmarkt, in dem jede Minutenkerze mit Wahrscheinlichkeit ½ an ihrem Open gespiegelt wird (gleiche Volatilität, keine Richtung, siehe Zufallsmarkt als Lineal). Keine Handelsempfehlung.

Al Brooks hat in seinen Büchern und im Trading Course ein sehr ausführliches Regelwerk zum Lesen von Kerzen veröffentlicht. Eine starke Trendkerze mit Folgekerze setzt den „Always-in“-Status. Im Trend kauft man den zweiten Pullback-Versuch an der 20er-EMA (H2, abwärts L2). Keile und „Three Pushes“ drehen den Markt. Und etwa 80 % aller Ausbruchsversuche aus einer Trading Range scheitern, also fadet man sie.

Das Regelwerk ist verbreitet, weil sich jede Regel im Chart zeigen lässt. Ob sie über Tausende Fälle Geld verdient, zeigt der Chart nicht. Wir haben die acht Kern-Setups vorab nach Brooks' Glossar formalisiert und gegen den Zufall gerechnet. Das prüft eine mechanische Übersetzung, nicht den Trader. Brooks handelt diskretionär, mit Kontext, Trade-Management und den niedrigen Kosten von Futures.

Dow, 5-Minuten-Kerzen: Kaufeinstieg beim zweiten Pullback an der 20-EMA, das 1R-Ziel wird erreicht

H2 an der 20-EMA im Dow am 14. Juli 2020: Kauf-Stop einen Tick über der Signalkerze, Stop darunter, Ziel 1R. Das Ziel wird erreicht (+18,5 bps netto).

Dow, 5-Minuten-Kerzen: Verkaufseinstieg beim zweiten Pullback an der 20-EMA, der Stop wird ausgelöst

Dasselbe Setup gespiegelt (L2) am 28. März 2018: Der Stop wird erreicht (−25,6 bps netto). Beide Beispiele stammen aus dem Suchzeitraum 2015–2022 und wurden mit festem Seed zufällig aus allen 5.276 erkannten Fällen gezogen, nicht ausgesucht.

1. Das Kern-Setup trifft sein Ziel wie ein Münzwurf

Im Aufwärtstrend fällt der Kurs zurück, der erste Versuch nach oben (H1) scheitert, und beim zweiten (H2) kaufen wir einen Tick über dem Hoch der Signalkerze. Der Stop liegt darunter, das Ziel bei 1R. Brooks' Trader's Equation verlangt, dass Trefferquote mal Gewinn größer ist als Verlustquote mal Risiko. Bei Kosten von 0,17–0,27 R je Trade müsste ein 1R-Scalp dafür in 59–64 % der Fälle sein Ziel erreichen. Ein Random Walk schafft rund 50 %.

Setup (Ziel 1R, im Trend an der EMA) n Trefferquote Random Walk Zufallsmarkt brutto bps netto bps t (netto)
H1 4.616 50,4 % 50,1 % 50,5 % +0,46 −1,95 −6,05
H2 5.276 49,4 % 50,1 % 50,6 % −0,17 −2,57 −9,26
H3 und später 22.391 51,4 % 50,1 % 51,4 % +0,53 −1,84 −11,68

H2 ist nicht besser als H1 oder H3+. Es ist auch nicht besser als ein beliebiger Stop-Einstieg gleicher Seite zur gleichen Tageszeit: Die Placebo-Differenzen liegen alle innerhalb von ±1,5 bps. Keine der 125 Zählvarianten ist netto positiv, das beste t liegt bei −0,22. Jeder Trade verliert im Schnitt die Kosten.

Die 1R-Trefferquote des zweiten Pullbacks liegt bei 49,4 %, wie im Zufall, nach Kosten wären 59 bis 64 % nötig

Trefferquote des Kern-Setups (n = 5.276) gegen die Random-Walk-Formel und den Zufallsmarkt. Das graue Band ist die Trefferquote, die nach Kosten nötig wäre.

2. Die 80-%-Regel beschreibt den Zufall

Brooks' bekannteste Zahl: Rund 80 % der Ausbruchsversuche aus einer Range scheitern. Wir zählen einen Versuch, wenn das Hoch über dem Hoch einer engen Range der letzten 12 bzw. 24 Kerzen liegt. Gescheitert heißt: Der Schluss liegt binnen sechs Kerzen wieder in der Range.

Gruppe Range n Versuche scheitern (echt) scheitern (Zufallsmarkt) Differenz t
EU (DAX, FTSE) 12 Kerzen 28.697 80,3 % 80,3 % −0,05 pp −0,13
EU 24 Kerzen 14.860 80,4 % 80,4 % +0,02 pp 0,05
US (Dow, NQ, SPX) 12 Kerzen 31.784 79,1 % 80,4 % −1,3 pp −3,20
US 24 Kerzen 14.045 78,3 % 81,3 % −3,1 pp −5,22
Alle 12 Kerzen 60.481 79,7 % 80,4 % −0,7 pp −2,55
Alle 24 Kerzen 28.905 79,4 % 80,9 % −1,5 pp −3,89

Brooks hat die Zahl exakt getroffen. Es ist aber die Zahl eines Random Walks: Der Zufallsmarkt liefert in DAX und FTSE ebenfalls 80,3 %. In den US-Indizes scheitern Ausbrüche sogar seltener als im Zufall, also leichte Fortsetzung, die Gegenrichtung zur Brooks-These. Wer den gescheiterten Ausbruch fadet (Ziel Range-Mitte, Range über 12 Kerzen), trifft 57,5 % gegen 56,2 % im Random Walk und 56,0 % im Zufallsmarkt. Netto bleiben −0,5 bis −2,2 bps, das beste t ist −0,92.

Dow, 5-Minuten-Kerzen: gescheiterter Ausbruch nach unten, Kauf über der Signalkerze, Ziel Range-Mitte erreicht

Gescheiterter Ausbruch nach unten im Dow am 25. September 2020 (12-Kerzen-Range): Der Kurs schließt zurück in der Range, wir kaufen darüber, das Ziel Range-Mitte wird erreicht (+14,4 bps netto).

Dow, 5-Minuten-Kerzen: gescheiterter Ausbruch nach oben, Verkauf unter der Signalkerze, der Stop wird ausgelöst

Gescheiterter Ausbruch nach oben am 2. September 2016: Der Verkauf wird ausgestoppt (−8,5 bps netto). Auch diese Beispiele sind mit festem Seed zufällig aus allen 9.301 erkannten Fällen des Suchzeitraums gezogen.

80 % der Range-Ausbrüche scheitern, in echten Märkten und im Zufallsmarkt gleich oft

Anteil der Ausbruchsversuche, die scheitern: echte Märkte (orange) gegen Zufallsmarkt (grau).

3. Die übrigen Setups liegen auf Placebo-Niveau

Setup Trefferquote (1R) gegen Zufallsmarkt Ergebnis nach Kosten
Starke Trendkerze mit Folgekerze (Always-in) keine Vorhersage für die nächsten 30/60 Minuten brutto +0,02 / +0,13 bps (n 30.752)
Keil / Three Pushes im Trend 51,4 % gegen 51,0 % −1,6 bis −2,4 bps
Breakout-Pullback 52,1 % gegen 51,7 % −1,3 bis −2,2 bps
Erste EMA-Berührung nach 20 Gap-Bars 45,1 % gegen 45,2 % (Test des Extrems) bestes t 0,67
ii / iii 50,9–51,2 % gegen 50,5–51,2 % −1,6 bis −3,7 bps
Final Flag 49,3–49,9 % gegen 50,6–50,8 % −1,3 bis −2,6 bps
Trend from the Open beste Zeile des Tests: US allein +5,69 bps (t 1,51) alle Märkte +2,19 bps (t 0,79), ohne die fünf besten Tage −0,03 bps
Gold und EURUSD (714 Regeln) Übertragungstest bestes t 0,89

Zwei Befunde sind echt, aber klein. Der Always-in-Status am Mittag sagt den Rest des Tages leicht voraus: +3,37 bps brutto, netto +0,88 bps (t 0,90) bei 2,48 bps Kosten. Und der erste Bruch eines Micro Channels scheitert tatsächlich öfter als zufällig: 52,2 % gegen 50,7 %, brutto +1,0 bis +1,7 bps bei 2,4 bps Kosten. Die Richtung stimmt, die Größe reicht nicht.

Keine Setup-Familie erreicht nach Kosten ein t von 2

Bestes gepooltes Netto-t je Setup-Familie. Die orange Linie markiert |t| = 2. Der Höchstwert des ganzen Tests liegt bei 1,95 (Trend from the Open, NQ allein).

Was das heißt

Die Muster lassen sich sauber programmieren, aber sie tragen keinen Erwartungswert. Über 3.586 Handelsregeln gibt es keinen Treffer, und die einzigen acht Treffer der Mehrfachtest-Korrektur sitzen in den beschreibenden Quoten und zeigen alle gegen Brooks. Nützlich bleibt seine Denkfigur: Die Trader's Equation taugt, wenn man die Trefferquote gegen den Random Walk misst statt gegen das Bauchgefühl.

Was Brooks selbst profitabel macht, können wir mit diesen Daten nicht messen. Nicht abbildbar sind die Tagesauswahl und das Urteil im Kontext, Orderbuch und Orderflow, die niedrigeren Kosten von Futures und die Auswahl der Überlebenden unter den Tradern. Selbst bei Kosten von null wären die Brutto-Ergebnisse (meist 0 bis +1,5 bps) nicht vom Placebo zu unterscheiden. Steckt der Vorteil bei ihm im Urteil, ist er nicht als Regel übertragbar.

Grenzen

  • CFD-Minutendaten (BID), keine Futures. Kosten sind fest angesetzt, reale Fills sind eher schlechter.
  • Die Formalisierung ist eine Auswahl. Je Setup wurden 2 bis 5 Parametervarianten nach dem Glossar vorab festgelegt. Brooks liest diskretionär.
  • Tick-genaue Scalps sind nicht prüfbar. Bei 52–60 % der Signalkerzen lag der Stop unter dem Dreifachen der medianen Minuten-Range und wurde auf diese Breite erweitert.
  • Nicht getestet: Tick- und Orderbuchdaten, andere Zeiteinheiten als 5 Minuten, Trade-Management (Stop nachziehen, Teilgewinne), Kombinationen mehrerer Setups, Tages- und Wochencharts.
  • Kleine Teilmengen: Für iii (n 278–582) gibt es zu wenige Fälle, um mehr zu sagen.
  • Nur Suchzeitraum 2015–2022. Es gab keinen Kandidaten, also keinen Holdout-Lauf.

Alle Musterfamilien des Scans im Überblick. Verwandt: der Zufalls-Maßstab, Ausbrüche: nur der Schlusskurs zählt und späte Ausbrüche nach frühem Whipsaw.


Disclaimer: Historische Statistiken sind keine Garantie für zukünftiges Marktverhalten. Diese Studie ist keine Anlageberatung. Trading birgt Verlustrisiken bis hin zum Totalverlust.