Datenbasis: Index-Setups auf DAX, FTSE, NQ, Dow, SPX, 2015 – Juni 2026, 171.180 Trades (Breakout-Familie n = 147.138, Fade-Familie n = 24.042). Exit in Abschnitt 1: Halten bis Cash-Close, Einstieg netto nach Spread und Slippage. Tagestyp-Analyse in Abschnitt 2: 11.513 Markt-Tage DAX/FTSE/NQ/Dow. Vola-Proxy: mittlere Tagesrange der letzten 5 Tage (Vortag-Stand, also vor dem Open bekannt), rollierende Tertile gegen 250 Tage. Keine Handelsempfehlung.
Die Beobachtung, die diese Studie ausgelöst hat, war banal: eine ganze Woche, in der jeder Tag weniger Range hatte als der Tag davor, und in der jeder Breakout-Versuch zurückkam. Die Vermutung dahinter ist das Lehrbuch — Momentum-Strategien brauchen Bewegung, Mean-Reversion-Strategien brauchen Ruhe. Das Lehrbuch hat aber keine Zahlen für unsere Setups, und es sagt auch nicht, ob man das Regime rechtzeitig erkennt.
Wir haben drei Fragen getrennt: Läuft die Setup-Performance mit der Volatilität? Lässt sich das Regime vor dem Open objektiv bestimmen? Und — die unbequemste — wie viel davon ist handelbar, wenn man den Rückblick ehrlich abzieht?
1. Performance je Volatilitäts-Regime
Jeder Markt-Tag bekommt ein Regime aus der mittleren Tagesrange der letzten fünf Tage, verglichen mit der eigenen 250-Tage-Verteilung: LOW (unteres Tertil), MID, HIGH. Der Wert steht am Vorabend fest. Die Regime sind mit 34 / 32 / 34 % der Trades nahezu gleich besetzt.
| Familie | LOW | MID | HIGH |
|---|---|---|---|
| Breakout / Momentum | +0,046 (n=50.651) | +0,026 (n=46.701) | +0,149 (n=49.786) |
| Fade | +0,130 (n=8.151) | +0,138 (n=7.463) | +0,099 (n=8.428) |
| Alle Index-Setups | +0,057 (n=58.802) | +0,041 (n=54.164) | +0,142 (n=58.214) |
Die Breakout-Familie verdreifacht ihren avgR von LOW nach HIGH. Die Fade-Familie läuft in die Gegenrichtung und ist in niedriger und mittlerer Volatilität am besten. Das ist das erwartete Bild, und es ist bei n > 7.000 je Zelle nicht Rauschen — auch wenn wir für diese Kette keine Tages-Cluster-t-Werte haben (siehe Grenzen).
Nur DAX, alle Setups: LOW +0,143 (n=12.775), MID +0,127, HIGH +0,165 (n=11.673). Der Effekt ist im DAX flacher als im Pool — der DAX ist der Markt, in dem unsere Setups ohnehin am besten laufen.
2. Ist das Regime vor dem Open erkennbar?
Ein Regime, das man erst am Abend kennt, hilft nichts. Deshalb haben wir Tagestypen (Trend, Chop, Whipsaw nach unserer Tages-Atlas-Klassifikation) gegen drei Prädiktoren getestet, die alle am Vortag feststehen:
| Prädiktor (Vortag) | Tertil 1 → Tertil 3 | t |
|---|---|---|
| VIX-Level: P(Trendtag) | 10,0 % → 14,1 % | +5,6 |
| VIX-Level: P(Chop) | 33,3 % → 25,4 % | −7,9 |
| ΔVIX (gestern gestiegen): P(Chop) | 33,9 % → 21,9 % | −11,7 |
| ΔVIX: P(Whipsaw) | +2,9 Prozentpunkte | +4,8 |
| Eigene ATR: P(Trendtag) | — | ≈ 0 |
Zwei Dinge fallen auf. Erstens: Das VIX-Level wirkt auch für die EU-Indizes — implizite US-Volatilität ist ein globaler Proxy. Zweitens: Ein gestiegener VIX ist der stärkste Einzelprädiktor, und er kündigt keine Trendtage an, sondern Entscheidungstage: weniger Chop (−12 Prozentpunkte), dafür mehr Trend und mehr Whipsaw. Das ist ein zweischneidiges Signal — mehr Zahltage und mehr Tage, an denen der Stopp entscheidet.
Die eigene ATR sagt Trendtage nicht voraus. Das ist teils mechanisch — unsere Trend-Definition ist ATR-relativ, die Normierung frisst den Effekt —, ändert aber nichts an der Konsequenz: Der Zustand (Level) trägt die Information, die Richtung der ATR nicht. Ein separater Test „ATR steigend vs. fallend" ergab Δ +0,03 R (t = 0,3).
Zur Einordnung: Auch im besten Regime sind 86 % der Tage keine Trendtage. Das ist ein Tilt, kein Schalter.
3. Die VIX-Treppe
Absolut statt in Tertilen, gerechnet auf der realen Buchserie 2015–2026 (R pro Tag über das gesamte Buch):
| VIX-Close Vortag | R/Tag | Trendtag-Quote |
|---|---|---|
| < 13 | +0,18 | 14,6 % |
| 13 – 16 | +1,33 | — |
| 16 – 20 | +2,39 | — |
| 20 – 26 | +2,40 | — |
| > 26 | +3,01 | 24 % |
Die Chop-Quote bleibt über alle Stufen bei rund 31 %. Niedrige Volatilität bedeutet fehlende Zahltage, nicht mehr Katastrophen. Und Panik-Volatilität ist für ein Breakout-Buch kein Risiko, sondern das beste Umfeld.
4. Was ein Filter wirklich bringt
Jetzt die unbequeme Frage. Ein Gate „Breakout-Familie setzt im LOW-Tertil aus" senkt auf der Buchserie den maximalen Drawdown von −449 R auf −259 R (ab 2018: −136 auf −77 R) und kostet dafür 17–19 % des Ertrags. Das ist ein Versicherungs-Tausch, kein Gewinn.
Und der Effekt aus Abschnitt 1 ist teilweise Rückblick. Wer das Regime realisiert (mit der tatsächlichen Range des Tages) statt prognostiziert (mit der Range der Vortage) misst, sieht einen viel größeren Unterschied: Realisiert-LOW liegt bei −0,25 R, Prognose-LOW bei +0,06 R. Handelbar ist etwa ein Achtel des Hindsight-Effekts. Die Differenz Prognose-LOW gegen den Rest hat t ≈ 1,3 und ist nur in 7 von 12 Jahren positiv.
5. Was daraus folgt
Das Regime ist real, vor dem Open bekannt, und es erklärt sauber, warum eine Range-Woche für ein Breakout-Buch rot ist. Was es nicht ist: ein Edge. Der Nutzen liegt in der Aggressivitäts-Steuerung — Größe zurücknehmen, wenn die eigene Range und der VIX beide im unteren Drittel stehen, nicht im Ein- und Ausschalten. Ein Gate, das den Drawdown fast halbiert und dafür ein Fünftel des Ertrags kostet, ist für ein Konto mit hartem Drawdown-Limit ein vernünftiger Tausch; für ein Konto ohne Limit ist es Ertragsverzicht.
Das ist derselbe Befund wie in unserer Katalysator-Studie: Die Bedingungen für gute Tage sind Zustände, keine Termine. Und wie bei jedem Regime-Befund gilt, was wir in der Edge-Persistenz-Studie gemessen haben — ein struktureller Effekt sollte über Jahre stabil sein. 7 von 12 positiven Jahren für den handelbaren Anteil sind kein Ausweis dafür.
6. Grenzen
- Zwei verschiedene Rechenketten. Abschnitt 1 nutzt Halten bis Cash-Close, nicht unseren Trailing-Exit. Auf der Trailing-Kette dreht sich der Fade-Befund: Dort läuft das Vormittags-Fade-Setup in HIGH-Vola mit +0,235 R am besten. Der Fade-Teil ist exit-abhängig und nicht abschließend geklärt. Der Breakout-Teil ist auf beiden Ketten konsistent.
- Keine Tages-Cluster-t-Werte in Abschnitt 1. Die Setups eines Tages sind gekoppelt; die n-Zahlen überschätzen die effektive Stichprobe.
- In-Sample, keine Walk-Forward-Trennung. Die Robustheitsprüfung (7/12 Jahre, t ≈ 1,3) ist ausdrücklich negativ für die Edge-Lesart.
- Tagestyp-Schwellen sind heuristisch (Atlas-Klassifikation), VIX ist US-Volatilität und für die EU ein Proxy; keine Korrektur für multiples Testen (3 Prädiktoren × 3 Typen).
- Gamma-Vorzeichen als Zusatz-Regime getestet und verworfen (n = 16.002, LONG vs SHORT t = 0,4). Nicht Teil dieser Studie, aber der Vollständigkeit halber: Es liefert nichts über die Volatilität hinaus.
- CFD-Daten, Index-Setups. FX und Rohstoffe wurden hier nicht getestet.