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Research/ Studien
Kein Edge7 Min. Lesezeit · 2026-08-10

FTSE bis zum US-Close halten: Trägt ein starker US-Nachmittag den Londoner Trade weiter?

Märkte
FTSE
Zeitraum
2015–2026
Stichprobe
2.813 Tage · 22.002 Episoden
Kosten
netto + Zusatzspread-Sensitivität
Auf dieser Seite

Datenbasis: FTSE 100. Tagesebene: 2.813 Handelstage, 29.04.2015 – 05.06.2026, Bewegung 16:30 London → 16:00 New York, roh in Punkten und ATR-normiert, ohne Spread. Trade-Ebene: 22.002 Episoden aus neun Setups der EU-Vormittagssession auf unserer Episoden-Basis, Exit Trailing-Stop BE 0,5 / TS 1,0 / Schritt 0,5 (Referenz: nur Stop-Loss), Kosten im Einstieg enthalten, ein späterer Exit separat mit Zusatzkosten belastet. Lookahead-frei: US-Stärke und FTSE-Push sind um 16:30 London bekannt, Tertile rollierend über 250 Vergangenheitstage. Keine Handelsempfehlung.

Die Frage ist alltäglich. Es ist 16:30 in London, die LSE schließt, der FTSE-Trade vom Vormittag steht im Plus. Drüben läuft die US-Session seit einer Stunde und sie läuft gut. Der FTSE hat seit Mittag ebenfalls angezogen. Halten bis 16:00 New York, weil die Wall Street den Index weiter trägt — oder zum Londoner Schluss glattstellen, weil danach im FTSE nichts mehr passiert?

Beide Antworten haben eine plausible Geschichte. Die Wall-Street-Geschichte klingt besser, weil man sich an die Tage erinnert, an denen es funktioniert hat. Wir haben es in zwei Stufen gemessen: erst die reine Bewegung des Index auf Tagesebene, dann die Frage auf echten Trades mit echtem Exit.

1. Tagesebene: Was bringt Halten überhaupt?

Der Benchmark ist „immer halten": die Bewegung des FTSE von 16:30 London bis 16:00 New York an allen Tagen. Sie beträgt +0,20 Punkte (n = 2.813, t = +0,38), an 51,5 % der Tage positiv. Der FTSE macht nach seinem eigenen Schluss im Mittel nichts.

Konditioniert auf US-Stärke (Bewegung des S&P seit dessen Open, in ATR-Tertilen) und FTSE-Push (Bewegung seit 12:00 London):

US-Stärke \ FTSE-Push schwach mittel stark
stark +0,025 ATR (n=169, t = +0,7) +0,003 (n=278, t = +0,1) +0,009 (n=500, t = +0,6)
mittel +0,011 (n=279, t = +0,6) +0,003 (n=342, t = +0,2) +0,000 (n=285, t = 0,0)
schwach +0,001 (n=520, t = 0,0) −0,022 (n=290, t = −1,1) −0,035 (n=150, t = −1,2)

Keine einzige Zelle erreicht |t| ≥ 2. Die Zielzelle — US stark und Push stark — liefert +1,10 Punkte (n = 500, t = +0,76), Trefferquote 52,8 % gegen 51,5 % Basis. Median +1,00 Punkt, das mittlere 50 % der Tage liegt zwischen −12,1 und +14,4 Punkten. Die Spiegelzelle (US schwach, Push schwach) bringt +0,31 Punkte (n = 520, t = +0,20).

Zwei Robustheitsproben. Erstens die Push-Definition: Wird der Push ab 10:00 statt ab 12:00 gemessen, dreht das Ergebnis auf −0,09 Punkte (n = 453); ab 14:00 sind es +1,37 Punkte (n = 543, t = +1,27). Zweitens die Halbierung: In der ersten Hälfte bis November 2020 liefert die Zielzelle −1,33 Punkte (n = 266, t = −0,85), in der zweiten +3,86 Punkte (n = 234, t = +1,53). Ein Effekt, der in einer Hälfte das Vorzeichen wechselt und in keiner signifikant ist, ist das Profil einer frischen Auffälligkeit, wie wir es in der Studie zur Edge-Persistenz beschrieben haben.

Dazu die Kosten: Der spätere Exit fällt in ein dünneres Handelsfenster. Bei 0,5 Punkten Zusatzspread bleiben von den +1,10 noch +0,60 Punkte, bei 1,0 Punkt +0,10, bei 2,0 Punkten −0,90.

2. Trade-Ebene: Die Frage stellt sich mit Trailing-Exit nicht

Auf der Episoden-Basis liegen 22.002 FTSE-Trades aus neun Setups der Vormittagssession. Für jeden Trade wurde derselbe Pfad mit drei Exits gerechnet: Zwangsschluss um 16:30 London, Zwangsschluss um 16:00 New York, Status quo. Verglichen wird gepaart — derselbe Trade, zwei Exits.

Vorher aber der Trichter. Von 22.002 Trades lösen 15.516 in der Stunde ab 08:00 London aus, weitere 4.690 in der Stunde ab 09:00 — zusammen 91,8 %. Bis zum LSE-Close hat der Trailing-Stop also über sieben Stunden Zeit. Ergebnis: Mit Trailing-Exit leben um 16:30 London noch 49 von 22.002 Trades, 0,2 %. Die Halten-Frage ist für ein System mit Trail praktisch gegenstandslos. Diese 49 Trades verlieren durch Halten −0,087 R (t = −1,29; tages-geclustert t = −1,14), und die Zielzelle „US stark" enthält 17 Trades — zu klein für jede Aussage.

Die Frage lebt nur ohne Trail, mit reinem Stop-Loss. Dann sind um 16:30 noch 5.176 Trades offen:

Bedingung (nur Stop-Loss, Δ = Halten bis US-Close minus Exit 16:30 London) n Trades Δ avgR t naiv n Tage Δ Tagesmittel t geclustert
Alle lebenden Trades 5.176 −0,085 −2,95 2.170 −0,042 −1,07
davon im Plus um 16:30 4.827 −0,091 −2,98 2.083 −0,043 −1,02
US stark, alle 1.668 +0,038 +0,82 701 +0,037 +0,55
US stark, im Plus 1.549 +0,047 +0,93 671 +0,042 +0,59
US stark, im Plus, Long 974 +0,158 +2,54 433 +0,140 +1,57
US schwach, alle 1.703 −0,166 −2,92 705 −0,096 −1,25
US schwach, im Plus 1.598 −0,175 −2,91 676 −0,105 −1,31

Ohne Konditionierung kostet Halten Geld. Die Zielzelle — US stark, Trade im Plus, Long — ist die einzige mit positivem Vorzeichen und naiv signifikant. Nach Tages-Clustering ist sie es nicht mehr.

Die Größe des Plus um 16:30 ändert nichts (vier Buckets von 0–0,5 R bis über 2 R, alle |t| < 1). Kein einziges der neun Setups trägt den Effekt allein: Die Differenzen streuen zwischen −0,162 und +0,138 R, das höchste |t| ist 1,16. Und die Halbierung wiederholt das Muster der Tagesebene: bis November 2020 −0,091 R (n = 776, geclustert t = −0,21), danach +0,185 R (n = 773, naiv t = +2,78, geclustert t = +1,14).

Kosten zuletzt. Die Brutto-Differenz für „US stark, im Plus" beträgt +0,047 R (n = 1.549, t = +0,93). Bei einer typischen Stopweite von rund 15 Punkten entspricht ein Punkt etwa 0,067 R. Ein halber Punkt Zusatzspread für den späteren Exit lässt +0,013 R übrig, ein ganzer Punkt macht daraus −0,020 R, zwei Punkte −0,087 R.

3. Die Methodik-Lehre: Tages-Clustering bei Multi-Setup-Märkten

Der wichtigste Befund dieser Studie steckt in der Spalte ganz rechts. An einem FTSE-Tag feuern bis zu neun Setups. Sie alle sitzen um 16:30 in derselben Nachmittagsbewegung — was der US-Markt zwischen 16:30 London und 16:00 New York macht, trifft sie gemeinsam. Der naive t-Test über Trades behandelt sie als unabhängige Beobachtungen und bläst |t| grob um die Wurzel der Trades pro Tag auf. Hier sind es 5.176 Trades auf 2.170 Tagen, rund 2,4 pro Tag.

Das Ergebnis ist eindeutig: naiv t = −2,95 / +2,54 / −2,92 / +2,78, geclustert t = −1,07 / +1,57 / −1,25 / +1,14. Jede Zelle, die naiv signifikant war, war es nach Clustering nicht mehr. Wer bei Fragen, die von einer Tagesbewegung getrieben werden, über Trades statt über Tage testet, produziert Signifikanz aus dem Nichts. Für uns ist das seither Konvention: Tagesmittel bilden, darüber testen.

4. Was daraus folgt

Der FTSE macht nach dem Londoner Schluss im Mittel nichts, auch nicht an Tagen, an denen die Wall Street stark ist und der Index selbst einen Push hatte. Das ist konsistent mit unserem Befund, dass europäische Indizes den Großteil ihres Drifts über Nacht erzeugen und einen US-Nachmittag erst im Gap des nächsten Morgens einpreisen — siehe die Studie zum Overnight-Drift.

Für ein System mit Trailing-Exit ist die Halten-Frage keine Entscheidung, sondern ein Randfall von 0,2 % der Trades. Für ein System mit reinem Stop-Loss ist Halten ohne Konditionierung ein Verlust und mit Konditionierung ein Nullergebnis, das ein Punkt Zusatzspread ins Minus dreht.

5. Grenzen

  • In-Sample über den vollen Zeitraum, keine Walk-Forward-Trennung. Die Halbierung ersetzt sie nicht, zeigt aber die Instabilität.
  • Tertile rollierend, aber die Zellwahl ist unsere. Die Zielzelle wurde durch die Frage vorgegeben, nicht durch Suche gefunden; die übrigen acht Zellen sind mit ausgewiesen.
  • Kosten für den späteren Exit als Sensitivität, nicht als Messung. Wie viel Spread der FTSE nach 16:30 London tatsächlich hat, ist hier nicht aus Daten geschätzt.
  • Bid-Daten ohne echtes Volumen, keine Finanzierungskosten (der Exit liegt vor Mitternacht, spielt hier aber keine Rolle).
  • Die Setup-Familie ist unsere. Neun Vormittags-Setups; ob Nachmittags-Einstiege anders reagieren, wurde nicht getestet.
  • Nicht getestet: Halten über 16:00 New York hinaus, Konditionierung auf Sektor- oder Währungsbewegungen (GBP), Tage mit US-Datenveröffentlichungen nach 16:30 London.