Datenbasis: NQ, Dow, S&P 500, 2015 – 2026, je Fenster rund 8.800 Erst-Bruch-Trades (Markt-Tage). Referenzkerze 10 Minuten (18:10–18:20 und 18:30–18:40 Berlin, Gegenprobe mit New-York-Anker 12:10 und 12:30), Bruch in beide Richtungen, Stop an der Gegenseite der Kerze, Einstieg 3 Stunden nach Level-Fix verfallen. Exit: Trailing-Stop BE 0,5 / TS 1,0 / Schritt 0,5, Halten bis Tagesende als Referenz. Netto nach Spread und Slippage (Konfigurationsschätzung, realer Aufschlag eher höher). Standardfehler tages-geclustert über die drei US-Indizes (siehe die FTSE-Halten-Studie zur Begründung). Validierungsanker: dieselbe Rechenkette reproduziert ein bekanntes Vormittags-Setup mit +0,344 R gegen Soll +0,298 R. Keine Handelsempfehlung.
Die Idee kommt aus dem Chart-Alltag: Zur US-Mittagszeit — 12:10 und 12:30 in New York, 18:10 und 18:30 in Berlin — bilden sich zwei 10-Minuten-Kerzen, aus denen der Markt fast immer ausbricht. Zwei Breakouts kurz hintereinander laden zu einer Kopplungs-Hypothese ein. Bricht der zweite in dieselbe Richtung wie der erste, ist das Continuation. Bricht er dagegen, war der erste eine Falle und der zweite die Auflösung. Und wenn beide nach unten brechen, ist das ein Nachmittagstrend.
Drei Fragen also: Was bringt jedes Fenster für sich? Sagt die Richtung des ersten Bruchs etwas über die des zweiten? Und rettet eine Kombination den zweiten Trade?
1. Der erste Anlauf: +0,90 R, und warum er falsch war
Der erste Lauf über unsere kanonische Kette lieferte für beide Fenster +0,90 R bei 60 % Trefferquote, in jedem Jahr positiv. Das wäre das beste Setup im gesamten System gewesen und hätte allem widersprochen, was wir über den US-Nachmittag wissen.
Die Ursache war ein Volumen-Gate. Der Bruch zählt in der kanonischen Kette erst in der ersten Kerze, die das Level durchhandelt und Volumen über dem 20-Kerzen-Schnitt zeigt. Am Vormittag ist das dieselbe Kerze. In der Mittagsflaute ist die Volumenbedingung im Median erst 100 Minuten nach dem Level-Bruch erfüllt — der Einstieg wurde aber weiter auf das alte Level gesetzt. Gemessen: Beim Trigger stand der Kurs im Median bereits +0,35 R jenseits des Einstiegs, bei 63 % der Trades. Ein fiktiver Einstieg zu einem Preis, den es nicht mehr gab.
Die Gegenprobe machte es endgültig: dieselbe Mechanik auf ein Raster von Uhrzeiten über den Tag. Das Phantom-Ergebnis folgte exakt dem Volumenprofil — 11:10 Berlin +0,48 R, 18:10 +0,90 R, 16:10 −0,03 R. Kein Zeitfenster-Edge, ein Rechenartefakt. Mit abgeschaltetem Volumen-Gate liegt die Verzögerung zwischen Level-Bruch und Trigger im Median bei null Minuten (Mittel 2,3, 90. Perzentil 10). Erst darauf gelten die folgenden Zahlen.
2. Beide Fenster für sich: negativ
| Fenster (Erst-Bruch, Trailing-Exit) | n | avgR | t | Trefferquote | NQ | Dow | S&P |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 18:10 Berlin | 8.816 | −0,106 | −6,9 | 29 % | −0,116 | −0,044 | −0,160 |
| 18:30 Berlin | 8.791 | −0,091 | −5,5 | 30 % | −0,111 | −0,035 | −0,129 |
| 12:10 New York (Gegenprobe) | 8.816 | −0,107 | −7,0 | 30 % | −0,122 | −0,038 | −0,161 |
| 12:30 New York (Gegenprobe) | 8.794 | −0,091 | −5,6 | 30 % | −0,110 | −0,034 | −0,130 |
Beide Fenster verlieren signifikant. Long- und Short-Seite unterscheiden sich nicht (18:10: −0,099 gegen −0,114; 18:30: −0,107 gegen −0,075). Die Gegenprobe mit New-York-Anker — Berlin und New York schalten die Sommerzeit an verschiedenen Tagen, in rund drei Wochen pro Jahr ist 18:10 Berlin 11:10 statt 12:10 New York — ist auf die zweite Nachkommastelle identisch. Es liegt also nicht an der Uhrzeit-Definition.
Der Median-Stop liegt bei 18,5 bzw. 18,0 Punkten im NQ, die Brackets sind also nicht winzig; die Mikro-Range-Erklärung, die bei 2-Minuten-Mustern greift, trifft hier nicht. Und die Zahlen sind eher zu günstig: Unsere Konfigurationskosten unterschätzen den realen Aufschlag um etwa 0,2 R, was beide Fenster in die Nähe von −0,3 R rückt.
3. Sagt der erste Bruch etwas über den zweiten?
An 8.790 Markt-Tagen brechen beide Kerzen — praktisch an jedem Tag. Ein 10-Minuten-Mittagsfenster wird immer verlassen, allein das Ereignis „Bruch" hat keinen Selektionswert.
Für die Kopplung zählt nur, was vor dem Trigger des zweiten Fensters bekannt war: der erste Bruch muss vor dem zweiten Trigger liegen. Das trifft auf 95,2 % der Paare zu (n = 8.368).
| Erster Bruch | P(zweiter Bruch nach oben) | n |
|---|---|---|
| nach oben | 52,6 % | 4.362 |
| nach unten | 52,0 % | 4.006 |
| Basisrate | 52,2 % | 8.368 |
Chi² = 0,2 — die beiden Richtungen sind unabhängig. Der erste Bruch enthält null Information über den zweiten.
Der Lehrfall steckt in der Filterung. Rechnet man alle 8.790 Paare, auch die 4,8 %, bei denen das zweite Fenster zuerst brach, kommt Chi² = 10,1 heraus und die Kopplung sieht signifikant aus (53,8 % gegen 50,4 %). Die gesamte scheinbare Kopplung steckt in diesen 4,8 % Paaren mit umgekehrter Reihenfolge — dort nimmt eine einzige Bewegung beide Level mit, und die „Vorhersage" beschreibt nur, dass ein Impuls, der zwei Level bricht, in eine Richtung läuft. Bei jeder Kopplungs-Frage zwischen Setups muss die Trigger-Reihenfolge gefiltert werden, sonst misst man Tautologie.
4. Rettet eine Kombination den zweiten Trade?
| Erster Bruch → zweiter Bruch | n | avgR zweiter Trade | t |
|---|---|---|---|
| oben → oben (gleich) | 2.293 | −0,123 | −4,2 |
| oben → unten (gegen) | 2.069 | −0,075 | −2,2 |
| unten → oben (gegen) | 2.084 | −0,093 | −2,8 |
| unten → unten (gleich) | 1.922 | −0,077 | −2,5 |
Alle vier Zellen negativ, die Unterschiede zwischen ihnen liegen innerhalb eines Standardfehlers. Weder Continuation noch Reversal des ersten Bruchs verbessert den zweiten Trade.
Es gibt eine Tabelle, die anders aussieht, und sie ist die gefährlichste dieser Studie. Sortiert man den ersten Trade nach der späteren Richtung des zweiten Bruchs, liefert „beide gleich" +0,190 R und +0,203 R (Trefferquote 42 %), „gegenläufig" −0,417 und −0,419 R (16–17 %). Das ist reine Rückschau: Zum Einstieg des ersten Trades liegt die Richtung des zweiten Bruchs nicht vor. Es sagt nur, dass ein Trade gewinnt, wenn der Markt in seine Richtung weiterläuft — und an 49,6 % aller Tage läuft er nicht. Ob der Mittag zum Whipsaw wird, ist ein Münzwurf, und an den Whipsaw-Tagen verlieren beide Trades zusammen −0,502 R.
5. Was daraus folgt
Beide Mittags-Breakouts sind für sich Verlustgeschäfte, und die Reihenfolge der beiden Brüche enthält keine Information. Das reiht sich in ein bekanntes Bild: Alle Nachmittags-Anker des US-Markts, die wir gemessen haben, sind negativ. Momentum-Breakouts brauchen Volatilität, und die Mittagsflaute ist ihr Gegenteil.
Zwei Methodik-Lehren wiegen schwerer als das Nullergebnis. Erstens: Ein Volumen-Gate, das den Einstieg nicht mit verschiebt, erzeugt in ruhigen Fenstern Phantom-Edges — je ruhiger das Fenster, desto größer die Illusion. Wer in einer Flaute ein außergewöhnliches Ergebnis sieht, sollte zuerst die Verzögerung zwischen Level-Bruch und Trigger messen. Zweitens: Kopplungen zwischen Setups nur mit Trigger-Reihenfolge testen. Unsere Methodik-Studie beschreibt, warum ein bekannter Anker vor jedem neuen Test reproduziert werden muss — dieser Fall zeigt, dass der Anker allein nicht reicht, wenn das neue Fenster eine andere Volumenstruktur hat als der Anker.
6. Grenzen
- In-Sample 2015–2026, keine Out-of-Sample-Trennung. Bei zwei signifikant negativen Fenstern ist Overfitting in Richtung „Edge" kein Risiko; ein verborgenes Regime, in dem es funktioniert, wurde nicht gesucht.
- Kosten aus Konfiguration, nicht aus realen Fills. Der reale Aufschlag macht beide Fenster schlechter, nicht besser.
- Nur Erst-Bruch je Fenster und Tag. Zweite Brüche, Re-Entries und Stop-and-Reverse-Varianten sind nicht getestet.
- Nur die drei großen US-Indizes, kanonischer Trailing-Exit. Andere Exits wurden hier nicht ausgewiesen.
- Nicht getestet: Konditionierung auf Vormittagstrend, Volatilitätsregime oder Kalender-Events; Fenster außerhalb 18:10 und 18:30.