Datenbasis: Drei Setup-Familien auf unserer Episoden-Basis — Runner-Setups der Tagessession auf NQ und Dow mit Gamma-Daten ab 2021 (n = 10.867), ein frühes Breakout-Setup nach Cash-Open (n = 6.833) und ein Fade-Setup an der Pre-Open-Range (n = 4.468) — plus eine Opening-Range-Rekonstruktion nach dem öffentlichen ACD-System auf M1-Daten (DAX, FTSE, Dow, NQ, SPX, 2015–2026, n = 12.460 Einstiege). Alle Vergleiche gepaart auf identischen Episoden, der Stop wird intrabar vor dem Take-Profit geprüft (pessimistisch für die TP-Varianten). Basislinie: Trailing-Stop BE 0,5 / TS 1,0 / Schritt 0,5. Einstieg netto nach Spread und Slippage. Alle Levels sind zum Einstieg bekannt (Vortagesdaten, Overnight-Range, Opening Range) — kein Lookahead. Messungen Juni/Juli 2026, im September 2026 reproduziert. Keine Handelsempfehlung.
Jeder, der diskretionär handelt, kennt die Beobachtung: Der Kurs läuft bis zur Gamma-Wall und dreht. Er läuft bis zum Vortageshoch und dreht. Er erreicht die zweite Linie eines Opening-Range-Systems und dreht. Die Schlussfolgerung liegt nahe — Gewinn am Level mitnehmen, bevor der Trailing-Stop einen Teil davon zurückgibt.
Wir haben genau das als Regel kodiert und gegen unseren Standard-Exit gestellt. Nicht die Frage „drehen Kurse an Levels?", sondern die einzige, die zählt: Verdient ein Trade mehr, wenn er am Level geschlossen wird, als wenn der Trailing-Stop weiterläuft? Vier Tests, drei Level-Familien, zwei Regionen. Die Antwort ist einheitlich.
1. Runner-Setups: Take-Profit an der Gamma-Wall
Runner sind unsere Setups, die einen Trend über den Tag mitnehmen sollen. Getestet auf US-Episoden (NQ, Dow) mit verfügbarer Gamma-Wall in Trade-Richtung, TP nur, wenn die Wall zwischen 0,5 R und 20 R entfernt lag.
| Variante | avgR | Anteil ≥ 3 R | Δ zu Trail |
|---|---|---|---|
| Trailing pur | +0,105 | 2,1 % | — |
| Trail + TP an der Wall, immer | +0,101 | 2,0 % | −0,004 (t = −3,5) |
| Trail + TP nur im Long-Gamma-Regime | +0,105 | 2,1 % | +0,000 (t = +1,4) |
Der Effekt ist klein, aber sauber negativ. Die Diagnose nach Regime erklärt, warum: Im Short-Gamma (n = 4.756, Kaskaden-Tage) kostet der Wall-TP −0,009 R (t = −3,6) — dort brechen Walls, und wer dort aussteigt, gibt den Trendtag her. Im Long-Gamma (n = 723) ist er neutral (+0,002 R, t = +1,4). Selbst dort, wo die Wall „hält", verdient der TP nichts. Im Runner-Subset mit dem größten Tail (n = 2.645, Anteil ≥ 3 R 5,2 %) ist der Wall-TP ebenfalls negativ: −0,007 R (t = −2,6).
Ein zweiter Runner-Test mit dem Vortages-Hoch/-Tief als Ziel fiel deutlicher aus: −0,020 R (t = −15,5, n ≈ 45.000; Messung Juli 2026).
2. Das frühe Breakout-Setup: die Ziele des Hand-Traders als Regel
Die erste Hypothese nach dem Runner-Ergebnis war eine Ausrede: Runner leben jenseits der Levels, ein frühes Breakout-Setup nach Cash-Open dagegen davor — dort müsste der Level-TP helfen. Wir haben diese Vorhersage vorab notiert und dann getestet. Ziele exakt so, wie sie im diskretionären Handel gezeichnet werden: Kante der Overnight-Range (Vortages-Cash-Close bis heutiges Cash-Open) und Vortages-Hoch/-Tief. Zwei Ausführungen: (B) Limit-Order am Level; (C) Ausstieg am Schlusskurs der 15-Minuten-Kerze, die das Level erreicht — so kann Momentum durch das Level laufen.
| Setup | Trailing | Limit am Level | Kerzenschluss am Level |
|---|---|---|---|
| Frühes Breakout-Setup (n = 6.833) | +0,267 (≥ 3 R: 6,6 %) | +0,127 (3,6 %), Δ −0,139 (t = −19,3) | +0,197 (5,6 %), Δ −0,070 (t = −16,8) |
| Fade-Setup Pre-Open-Range (n = 4.468) | +0,279 (1,7 %) | +0,217 (0,4 %), Δ −0,062 (t = −9,1) | +0,144 (1,1 %), Δ −0,134 (t = −21,9) |
Die Vorhersage war falsch, und zwar nicht knapp. Das Setup, dem der Level-TP helfen sollte, verliert am meisten — mehr als die Hälfte seines Erwartungswerts unter der Limit-Variante. Die Kerzenschluss-Ausführung rettet einen Teil, bleibt aber klar hinter dem reinen Trail. Beim Fade-Setup dreht sich die Reihenfolge der beiden Ausführungen um; das Ergebnis gegen den Trail nicht.
Mit Gamma-Wall als zusätzlichem Ziel (Subset mit Gamma-Daten): Breakout n = 1.567, Trail +0,411 (≥ 3 R: 10,8 %) gegen +0,301 mit Wall-TP (8,6 %, t = −9,2); Fade n = 1.095, +0,395 gegen +0,195 (t = −13,6).
3. Opening-Range-System: die zweite Linie als Ziel
Dritter Test, anderes Fundament. Wir haben das öffentlich dokumentierte ACD-System je Tag rekonstruiert: Opening Range = erste 30 Minuten nach Cash-Open, Einstieg beim ersten Bruch der ersten Linie (Kante + Stretch), Stop an der Gegenkante, zweite Linie bei 2,5 × Stretch als Ziel. Verglichen wird für jeden Einstieg der Exit an der zweiten Linie gegen Halten bis Cash-Close und gegen feste 1-R- und 2-R-Ziele.
| Exit | avgR (n = 12.460) | Δ zu „Linie als TP" |
|---|---|---|
| Zweite Linie als TP | −0,046 | — |
| Halten bis Cash-Close | −0,021 | +0,025 (t = +3,1) |
| Festes 2-R-Ziel | −0,028 | +0,018 (t = +2,5) |
| Festes 1-R-Ziel | −0,037 | +0,009 (t = +1,6) |
Die zweite Linie wird in 69,5 % der Einstiege erreicht — das Level wird also oft getroffen. Genau das ist die Falle: Trefferquote am Level ist keine Ertragsaussage. Je Markt (Linie-TP minus Halten): DAX −0,053 (t = −2,5, n = 2.434), SPX −0,040 (t = −2,3, n = 2.782), NQ −0,032 (t = −2,0, n = 2.548), Dow −0,016 (t = −1,0, n = 2.523), FTSE +0,022 (t = +1,1, n = 2.173). Vier von fünf negativ, keiner signifikant positiv.
Die Beobachtung „Spikes drehen an der zweiten Linie" haben wir gesondert geprüft: Bei schnellen Anläufen (Linie innerhalb von 15 Minuten erreicht, n = 2.899) liefert der Linie-TP +0,267 gegen +0,312 beim Halten (Δ −0,046, t = −1,9); bei langsamen Anläufen (n = 5.762) +0,281 gegen +0,312 (Δ −0,031, t = −2,5). Auch der Spike verdient am Level nicht mehr als das Halten. Ein Vorbehalt zu diesem Test steht unten: Das rekonstruierte System ist in unseren Daten netto negativ, nur der Exit-Vergleich ist die Aussage.
4. Warum: das System lebt vom rechten Tail
Die Zahlen aus allen drei Tests zeigen dieselbe Mechanik. Im frühen Breakout-Setup erreichen 6,6 % der Trades ≥ 3 R; die Limit-Variante halbiert diesen Anteil auf 3,6 % — und verliert damit 0,14 R je Trade. Die Runner haben einen dünneren Tail (2,1 %), entsprechend kleiner ist der Schaden (−0,004). Beim Opening-Range-System liegen 1,6 % der Halte-Trades bei ≥ 3 R und 4,5 % bei ≥ 2 R.
Ein Take-Profit tauscht die Verteilung rechts vom Level gegen einen festen Wert. Das lohnt nur, wenn der Erwartungswert des Rests ab dem Level negativ ist. Unsere Messung sagt: Er ist es nicht — nicht an der Gamma-Wall, nicht am Vortagesextrem, nicht an der Overnight-Range, nicht an der zweiten ACD-Linie. Dass Kurse dort oft drehen, ist mit dem Ergebnis vereinbar: Viele kleine Drehungen kosten den Trailing-Stop wenig, die wenigen Durchläufe bringen ihm viel. Ein Level, das in 70 % der Fälle respektiert wird, ist ein schlechter Exit, wenn die anderen 30 % die Trendtage sind.
5. Was daraus folgt
Kein Level rechtfertigt einen mechanischen frühen Ausstieg. Der Befund ist über vier Tests, zwei Regionen, drei Level-Familien und zwei Ausführungsarten einheitlich negativ; die t-Werte reichen von −3,1 bis −21,9. Das deckt sich mit unserer Exit-Studie zum 2.-Kerze-Breakout, in der 37 Exit-Varianten ebenfalls hinter dem Trailing-Stop zurückblieben.
Die Ausrede vom „passenden Setup" hat nicht gehalten. Wir hatten vorhergesagt, dass der Level-TP beim frühen Breakout-Setup hilft. Er schadet dort am meisten. Das gehört ausdrücklich in den Bericht — eine Vorhersage, die scheitert, ist informativer als zehn, die passen.
Was offen bleibt, ist der diskretionäre Ausstieg. Gemessen wurde die dumme Regel: jedes erreichte Level, jeder Trade. Ein Hand-Trader wählt aus. Die Messlatte dafür ist dieselbe — „schlägt den Trail" — und sie ist aus Journal-Daten (maximaler günstiger Kursverlauf je Trade) prüfbar. Bis dahin ist der diskretionäre Level-Exit eine offene Behauptung, keine bestätigte Fähigkeit.
6. Grenzen
- In-Sample. Keine Out-of-Sample-Aufteilung in den TP-Tests. Das Vorzeichen ist über alle Tests und Subsets gleich und die |t|-Werte sind groß, aber die exakten Deltas sind In-Sample-Zahlen.
- Runner-Test nur US und nur ab 2021, weil Gamma-Daten erst ab dann vorliegen. Die Gamma-Levels stammen aus unserer eigenen Pipeline; deren Datenqualität ist ein eigener Vorbehalt.
- Näherung bei der Kerzenschluss-Ausführung: 15-Minuten-Kerzen statt der 5-/10-Minuten-Kerzen des diskretionären Handels.
- Opening-Range-Rekonstruktion im Auto-Modus (Stretch = min(SMA10 des Tages-Stretch, 0,3 × OR-Range)); das ganze System ist in unseren Daten netto negativ (Halten −0,021 R). Der Test sagt etwas über den Exit, nichts über die Tauglichkeit des Systems.
- Nicht getestet: selektive, diskretionäre Level-Exits; Teilgewinne am Level bei laufendem Rest; Level als Einstiegs-Kontext statt als Exit.
- Die Setup-Familie ist unsere. Relative Vergleiche (Exit A gegen Exit B auf denselben Trades) sind robust; absolute avgR-Niveaus sind optimistisch.