Datenbasis: SMI 20.433 Episoden und CAC 40 20.731 Episoden (2.924 Handelstage), jeweils 05.01.2015 – 05.06.2026, acht Setups der EU-Session. CA60 (S&P/TSX 60) 984 Episoden an 250 Handelstagen, 08/2025 – 08/2026, vier Setups der US-Session. Exit überall Trailing-Stop BE 0,5 / TS 1,0 / Schritt 0,5, netto nach Spread und Slippage (je Markt aus gemessenen Bid/Ask-Daten kalibriert). Dieselbe Signalkette wie unsere Episoden-Basis; Anker-Kontrolle auf DAX (8/8 Setups bitgenau) und DOW/NQ (8/8). Keine Handelsempfehlung.
Die Frage kam dreimal in drei Wochen, jedes Mal mit anderem Index: Wenn die Setup-Familie auf DAX und FTSE funktioniert, warum nicht auch auf dem SMI, dem CAC 40, dem kanadischen CA60? Die Session-Zeiten passen, die Setups sind marktneutral definiert, und mehr Märkte heißt mehr Trades.
Die Antwort ist dreimal nein, aber aus drei verschiedenen Gründen. Genau das macht die Serie lehrreich: Ein Index scheitert an der Edge-Frage, einer am Portfolio, einer allein an den Kosten. Und die Kostenfrage lässt sich vor jedem Backtest mit einer einzigen Kennzahl beantworten.
1. Die richtige Kostenmetrik: Spread als Anteil des Risikos
Der absolute Spread in Punkten sagt nichts. Was zählt, ist der Spread relativ zur Stop-Distanz des Setups, weil jeder Trade diese Toll vorab bezahlt. Unsere Stop-Distanzen liegen bei 0,075 bis 0,19 % vom Indexstand. Bei einer Stop-Distanz von 0,08 % und den Kernsession-Spreads eines gängigen CFD-Brokers ergibt sich:
| Index | Spread-Toll (Spread / Stop-Distanz) |
|---|---|
| DAX | 4,3 % |
| S&P 500 | 7,2 % |
| FTSE | 11,6 % |
| CAC 40 | 14,3 % |
| Dow | 15,3 % |
| Stoxx 50 | 28,6 % |
| SMI | 30,9 % |
| IBEX | 31,0 % |
| AEX | 37,1 % |
Der AEX hat den kleinsten Spread der Liste in Punkten und ist der teuerste Markt. Alles ab Stoxx 50 zahlt das Sieben- bis Neunfache der DAX-Toll, bevor die Edge-Frage überhaupt gestellt ist. Der CAC 40 war damit der einzige weitere EU-Index, der rechnerisch eine Chance hatte.
2. SMI: sieben von acht Setups signifikant negativ
Gemessener Spread 3,27 Punkte (Session-Median, interbank-nah), also 0,0229 % vom Kurs, rund dreimal so viel wie beim DAX. Kosten im Test 4,0 Punkte Spread plus 1,0 Slippage.
| n | avgR | t | |
|---|---|---|---|
| Gepoolt, acht Setups | 20.433 | −0,098 | −13,3 |
| Stärkstes Setup (Mittagsgruppe) | 2.780 | +0,154 | +6,7 |
| Übrige sieben Setups | 17.653 | −0,090 bis −0,172 | −4,7 bis −9,2 |
Nur das stärkste Setup der Familie überlebt, und auch das mit einem Viertel seines DAX-Werts (+0,598). Verworfen nach einem Durchlauf.
3. CAC 40: der Edge existiert und hängt an 0,8 Spread-Punkten
Gemessener Spread 1,00 Punkt (Session-Median und p90 identisch, 0,0119 % vom Kurs). Nach unserer Kalibrierungskonvention 1,2 Punkte Spread plus 0,3 Slippage im Test. Da der Edge nur die Hälfte des DAX-Werts erreicht, haben wir die Kosten in drei Stufen gerechnet:
| Kostenstufe | Spread / Slippage | avgR gepoolt | Cluster-t |
|---|---|---|---|
| Kostenlos | 0 / 0 | +0,324 | +10,1 |
| Basis (gemessen) | 1,2 / 0,3 | +0,078 | +7,7 |
| DAX-Niveau | 2,0 / 0,5 | −0,032 | −3,5 |
Die Kosten fressen 76 % des rohen Edges. Bei DAX-typischen Kosten kippt der ganze Markt ins Minus; nur das stärkste Setup bleibt dann positiv (+0,143 gegenüber +0,301 bei Basiskosten und +0,598 auf dem DAX).
Auf identischen Handelstagen (2.900 gemeinsame Tage): CAC +0,079, FTSE +0,109, DAX +0,159. In keinem der zwölf Jahre lag der CAC über dem DAX; 2025 steht +0,028 gegen +0,162, 2026 bisher +0,027 gegen +0,193.
4. Der eigentliche Test: was passiert im Portfolio
Ein einzeln positiver Markt ist noch kein Argument. Entscheidend ist, ob ein CAC-Trade eine zusätzliche Wette ist oder dieselbe Wette nochmal.
| Paar | Korrelation der Tages-R |
|---|---|
| DAX – FTSE | +0,208 |
| CAC – FTSE | +0,250 |
| CAC – DAX | +0,357 |
Der CAC ist redundanter zum DAX als der FTSE. Legt man die Märkte bei gleichem Tagesrisiko zusammen (Mittel je Tag, nicht Summe):
| Kombination | Tage | avgR/Tag | R / Risiko | max. Drawdown |
|---|---|---|---|---|
| DAX allein | 2.933 | +0,166 | 0,315 | −7,39 |
| DAX + FTSE | 2.943 | +0,139 | 0,330 | −5,45 |
| DAX + FTSE + CAC | 2.944 | +0,119 | 0,309 | −7,05 |
| CAC allein | 2.924 | +0,088 | 0,162 | −11,77 |
Der dritte Index senkt die risikoadjustierte Rendite von 0,330 auf 0,309 und vergrößert den maximalen Drawdown von −5,45 auf −7,05. Das ist die Antwort auf die Ausgangsfrage, unabhängig davon, ob der Einzel-Edge real ist.
Auffällig, aber nicht belastbar: An Tagen, an denen der DAX nicht triggert, liefert ein CAC-Setup +0,642 R (n=208, t = 8,7). Das ist ein Subsample aus vielen getesteten Zellen und gehört in die Kategorie „frische Auffälligkeit" aus unserer Studie zur Edge-Persistenz, nicht in eine Regel.
5. CA60: roher Edge vorhanden, Kosten fressen alles
Der kanadische Index war die Spread-Falle aus Abschnitt 1 in Reinform. 0,80 Punkte klingen klein; bei einem Kursniveau um 2.145 sind das 0,037 % vom Kurs, gegen 0,0034 % beim DAX. Gemessen als Anteil des Risikos: 25,3 % des R im Median (DOW 8,4 %, NQ 9,8 %).
| Kostenstufe | Spread / Slippage | avgR gepoolt | t |
|---|---|---|---|
| Kostenlos | 0 / 0 | +0,172 | +4,3 |
| Halbe Kosten | 0,4 / 0,1 | −0,015 | — |
| Basis (gemessen) | 0,8 / 0,2 | −0,138 | −3,7 |
Ohne Kosten überträgt sich die Setup-Struktur nach Toronto: Die beiden in den USA stärksten Setups sind auch hier die stärksten (+0,314 und +0,230, t = 3,3 und 3,1), die beiden schwächeren liegen bei +0,109 und +0,038. Mit Kosten sind alle vier negativ (−0,028 bis −0,193). Break-even läge bei rund 0,45 Punkten Gesamtkosten; eine DOW-artige Toll bräuchte etwa 0,25 Punkte. Zehn von dreizehn Monaten negativ; dieselben Tage auf DOW +0,175 und NQ +0,140, also kein Perioden-Artefakt.
6. Was daraus folgt
Drei Indizes, drei Todesarten:
- SMI: kein Edge. Die Setups funktionieren dort nicht, unabhängig von den Kosten.
- CAC 40: Edge vorhanden, aber schwächer, teurer und stärker mit dem DAX korreliert als der FTSE. Im Portfolio ein Netto-Nachteil.
- CA60: Edge vorhanden und strukturell identisch mit den US-Märkten, aber die Kosten liegen beim Dreifachen des Erträglichen.
Die Methodik-Lehre ist wertvoller als die drei Einzelergebnisse. Erstens: Die Spread-Toll als Anteil des Risikos ist die Kennzahl, die vor dem Backtest entscheidet. Sie hätte SMI, Stoxx 50, IBEX und AEX ohne einen einzigen Testlauf aussortiert. Zweitens: Ein Markt gehört nur ins Buch, wenn er das Portfolio verbessert, nicht wenn er allein positiv ist. Drittens: Bei knappen Edges gehört die Kostenempfindlichkeit in jede Tabelle. +0,078 R bei gemessenen Kosten und −0,032 R bei leicht höheren ist kein Edge, auf den man ein Konto stellt.
Vergleichbare Zahlen für die Kernmärkte stehen in unserem Index-Vergleich der Referenzkerze.
7. Grenzen
- In-Sample. Alle drei Tests laufen über den vollen Datenbestand ohne Walk-Forward. Das ist für ein Nein weniger kritisch als für ein Ja.
- CA60 nur ein Jahr. 250 Handelstage aus einem Terminal-Export, CFD-Feed, Kassa-Schluss um 16:00 Toronto (die US-Setups laufen sonst bis 17:00 New York). Kanadische Feiertage weichen von den US-Feiertagen ab.
- Spreads sind Momentaufnahmen. SMI und CAC über 30 Tage interbank-nah gemessen, CFD-Broker liegen darüber. Der CAC-Spread ist beim Broker erst ab 10:00 dokumentiert; die Frühsetups triggern davor.
- Portfolio-Test gleichgewichtet. Real werden Setups ausgewählt und begrenzt; der Vergleich zeigt die Richtung, nicht die exakte Größe.
- Nicht getestet: eine reduzierte Auswahl (nur das stärkste Setup) auf dem CAC mit Live-Spread-Messung in der ersten Handelsstunde, und der CA60 bei einem Broker mit deutlich engerem Spread.