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Research/ Studien
Kein Edge7 Min. Lesezeit · 2026-08-24

Lohnt sich ein dritter Index? SMI, CAC 40 und CA60 gegen dieselbe Methodik

Märkte
SMI CAC40 CA60
Zeitraum
2015–2026 · CA60 2025–26
Stichprobe
20.433 + 20.731 + 984 Episoden
Kosten
netto, drei Kostenstufen
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Datenbasis: SMI 20.433 Episoden und CAC 40 20.731 Episoden (2.924 Handelstage), jeweils 05.01.2015 – 05.06.2026, acht Setups der EU-Session. CA60 (S&P/TSX 60) 984 Episoden an 250 Handelstagen, 08/2025 – 08/2026, vier Setups der US-Session. Exit überall Trailing-Stop BE 0,5 / TS 1,0 / Schritt 0,5, netto nach Spread und Slippage (je Markt aus gemessenen Bid/Ask-Daten kalibriert). Dieselbe Signalkette wie unsere Episoden-Basis; Anker-Kontrolle auf DAX (8/8 Setups bitgenau) und DOW/NQ (8/8). Keine Handelsempfehlung.

Die Frage kam dreimal in drei Wochen, jedes Mal mit anderem Index: Wenn die Setup-Familie auf DAX und FTSE funktioniert, warum nicht auch auf dem SMI, dem CAC 40, dem kanadischen CA60? Die Session-Zeiten passen, die Setups sind marktneutral definiert, und mehr Märkte heißt mehr Trades.

Die Antwort ist dreimal nein, aber aus drei verschiedenen Gründen. Genau das macht die Serie lehrreich: Ein Index scheitert an der Edge-Frage, einer am Portfolio, einer allein an den Kosten. Und die Kostenfrage lässt sich vor jedem Backtest mit einer einzigen Kennzahl beantworten.

1. Die richtige Kostenmetrik: Spread als Anteil des Risikos

Der absolute Spread in Punkten sagt nichts. Was zählt, ist der Spread relativ zur Stop-Distanz des Setups, weil jeder Trade diese Toll vorab bezahlt. Unsere Stop-Distanzen liegen bei 0,075 bis 0,19 % vom Indexstand. Bei einer Stop-Distanz von 0,08 % und den Kernsession-Spreads eines gängigen CFD-Brokers ergibt sich:

Index Spread-Toll (Spread / Stop-Distanz)
DAX 4,3 %
S&P 500 7,2 %
FTSE 11,6 %
CAC 40 14,3 %
Dow 15,3 %
Stoxx 50 28,6 %
SMI 30,9 %
IBEX 31,0 %
AEX 37,1 %

Der AEX hat den kleinsten Spread der Liste in Punkten und ist der teuerste Markt. Alles ab Stoxx 50 zahlt das Sieben- bis Neunfache der DAX-Toll, bevor die Edge-Frage überhaupt gestellt ist. Der CAC 40 war damit der einzige weitere EU-Index, der rechnerisch eine Chance hatte.

2. SMI: sieben von acht Setups signifikant negativ

Gemessener Spread 3,27 Punkte (Session-Median, interbank-nah), also 0,0229 % vom Kurs, rund dreimal so viel wie beim DAX. Kosten im Test 4,0 Punkte Spread plus 1,0 Slippage.

n avgR t
Gepoolt, acht Setups 20.433 −0,098 −13,3
Stärkstes Setup (Mittagsgruppe) 2.780 +0,154 +6,7
Übrige sieben Setups 17.653 −0,090 bis −0,172 −4,7 bis −9,2

Nur das stärkste Setup der Familie überlebt, und auch das mit einem Viertel seines DAX-Werts (+0,598). Verworfen nach einem Durchlauf.

3. CAC 40: der Edge existiert und hängt an 0,8 Spread-Punkten

Gemessener Spread 1,00 Punkt (Session-Median und p90 identisch, 0,0119 % vom Kurs). Nach unserer Kalibrierungskonvention 1,2 Punkte Spread plus 0,3 Slippage im Test. Da der Edge nur die Hälfte des DAX-Werts erreicht, haben wir die Kosten in drei Stufen gerechnet:

Kostenstufe Spread / Slippage avgR gepoolt Cluster-t
Kostenlos 0 / 0 +0,324 +10,1
Basis (gemessen) 1,2 / 0,3 +0,078 +7,7
DAX-Niveau 2,0 / 0,5 −0,032 −3,5

Die Kosten fressen 76 % des rohen Edges. Bei DAX-typischen Kosten kippt der ganze Markt ins Minus; nur das stärkste Setup bleibt dann positiv (+0,143 gegenüber +0,301 bei Basiskosten und +0,598 auf dem DAX).

Auf identischen Handelstagen (2.900 gemeinsame Tage): CAC +0,079, FTSE +0,109, DAX +0,159. In keinem der zwölf Jahre lag der CAC über dem DAX; 2025 steht +0,028 gegen +0,162, 2026 bisher +0,027 gegen +0,193.

4. Der eigentliche Test: was passiert im Portfolio

Ein einzeln positiver Markt ist noch kein Argument. Entscheidend ist, ob ein CAC-Trade eine zusätzliche Wette ist oder dieselbe Wette nochmal.

Paar Korrelation der Tages-R
DAX – FTSE +0,208
CAC – FTSE +0,250
CAC – DAX +0,357

Der CAC ist redundanter zum DAX als der FTSE. Legt man die Märkte bei gleichem Tagesrisiko zusammen (Mittel je Tag, nicht Summe):

Kombination Tage avgR/Tag R / Risiko max. Drawdown
DAX allein 2.933 +0,166 0,315 −7,39
DAX + FTSE 2.943 +0,139 0,330 −5,45
DAX + FTSE + CAC 2.944 +0,119 0,309 −7,05
CAC allein 2.924 +0,088 0,162 −11,77

Der dritte Index senkt die risikoadjustierte Rendite von 0,330 auf 0,309 und vergrößert den maximalen Drawdown von −5,45 auf −7,05. Das ist die Antwort auf die Ausgangsfrage, unabhängig davon, ob der Einzel-Edge real ist.

Auffällig, aber nicht belastbar: An Tagen, an denen der DAX nicht triggert, liefert ein CAC-Setup +0,642 R (n=208, t = 8,7). Das ist ein Subsample aus vielen getesteten Zellen und gehört in die Kategorie „frische Auffälligkeit" aus unserer Studie zur Edge-Persistenz, nicht in eine Regel.

5. CA60: roher Edge vorhanden, Kosten fressen alles

Der kanadische Index war die Spread-Falle aus Abschnitt 1 in Reinform. 0,80 Punkte klingen klein; bei einem Kursniveau um 2.145 sind das 0,037 % vom Kurs, gegen 0,0034 % beim DAX. Gemessen als Anteil des Risikos: 25,3 % des R im Median (DOW 8,4 %, NQ 9,8 %).

Kostenstufe Spread / Slippage avgR gepoolt t
Kostenlos 0 / 0 +0,172 +4,3
Halbe Kosten 0,4 / 0,1 −0,015
Basis (gemessen) 0,8 / 0,2 −0,138 −3,7

Ohne Kosten überträgt sich die Setup-Struktur nach Toronto: Die beiden in den USA stärksten Setups sind auch hier die stärksten (+0,314 und +0,230, t = 3,3 und 3,1), die beiden schwächeren liegen bei +0,109 und +0,038. Mit Kosten sind alle vier negativ (−0,028 bis −0,193). Break-even läge bei rund 0,45 Punkten Gesamtkosten; eine DOW-artige Toll bräuchte etwa 0,25 Punkte. Zehn von dreizehn Monaten negativ; dieselben Tage auf DOW +0,175 und NQ +0,140, also kein Perioden-Artefakt.

6. Was daraus folgt

Drei Indizes, drei Todesarten:

  • SMI: kein Edge. Die Setups funktionieren dort nicht, unabhängig von den Kosten.
  • CAC 40: Edge vorhanden, aber schwächer, teurer und stärker mit dem DAX korreliert als der FTSE. Im Portfolio ein Netto-Nachteil.
  • CA60: Edge vorhanden und strukturell identisch mit den US-Märkten, aber die Kosten liegen beim Dreifachen des Erträglichen.

Die Methodik-Lehre ist wertvoller als die drei Einzelergebnisse. Erstens: Die Spread-Toll als Anteil des Risikos ist die Kennzahl, die vor dem Backtest entscheidet. Sie hätte SMI, Stoxx 50, IBEX und AEX ohne einen einzigen Testlauf aussortiert. Zweitens: Ein Markt gehört nur ins Buch, wenn er das Portfolio verbessert, nicht wenn er allein positiv ist. Drittens: Bei knappen Edges gehört die Kostenempfindlichkeit in jede Tabelle. +0,078 R bei gemessenen Kosten und −0,032 R bei leicht höheren ist kein Edge, auf den man ein Konto stellt.

Vergleichbare Zahlen für die Kernmärkte stehen in unserem Index-Vergleich der Referenzkerze.

7. Grenzen

  • In-Sample. Alle drei Tests laufen über den vollen Datenbestand ohne Walk-Forward. Das ist für ein Nein weniger kritisch als für ein Ja.
  • CA60 nur ein Jahr. 250 Handelstage aus einem Terminal-Export, CFD-Feed, Kassa-Schluss um 16:00 Toronto (die US-Setups laufen sonst bis 17:00 New York). Kanadische Feiertage weichen von den US-Feiertagen ab.
  • Spreads sind Momentaufnahmen. SMI und CAC über 30 Tage interbank-nah gemessen, CFD-Broker liegen darüber. Der CAC-Spread ist beim Broker erst ab 10:00 dokumentiert; die Frühsetups triggern davor.
  • Portfolio-Test gleichgewichtet. Real werden Setups ausgewählt und begrenzt; der Vergleich zeigt die Richtung, nicht die exakte Größe.
  • Nicht getestet: eine reduzierte Auswahl (nur das stärkste Setup) auf dem CAC mit Live-Spread-Messung in der ersten Handelsstunde, und der CA60 bei einem Broker mit deutlich engerem Spread.