Datenbasis: EURUSD, GBPUSD, USDJPY, XAUUSD; Breakout über eine M15-Referenzkerze, 30 Zeitzellen (Morgen-Raster 07:15–09:15 Berlin, Nachmittags-Raster 04:00–09:30 New York, dazu die Asien-Opens), 2015 – 2026, n ≈ 2.900 je Zelle. Nur der erste Break je Tag, Entry-Cutoff 3 Stunden. Exit Trailing-Stop BE 0,5 / TS 1,0 / Schritt 0,5, netto nach Spread, Slippage und 6 USD/Lot Round-Turn-Kommission. Ergänzend ein 10-Minuten-Raster 09:00–20:00 Berlin auf EURUSD/GBPUSD/XAUUSD (gleicher Exit, ohne Kommission). Die Referenzkerze ist beim Break abgeschlossen, kein Lookahead; Anker-Kontrolle gegen unsere Episoden-Basis ohne Abweichung. Keine Handelsempfehlung.
Der Referenzkerzen-Breakout ist auf Aktienindizes unser Kernmechanismus. Die naheliegende Frage: Funktioniert er auf FX und Gold, und wenn ja, zu welcher Uhrzeit? Der Plan war, die FX-Paare zweimal täglich zu handeln, morgens im Londoner Open und nachmittags vor dem US-Open, USDJPY nur nachmittags.
Die Messung hat den Plan an zwei Stellen gekippt. Das Morgenfenster ist netto tot, nicht knapp, sondern in jeder Zelle. Und der Nachmittags-Edge liegt nicht dort, wo wir ihn gesucht haben.
1. Der Morgen: negativ in jeder Zelle
Neun Referenzkerzen zwischen 07:15 und 09:15 Berlin, jede einzeln getestet. Ergebnis der Live-nahen Kerze um 08:15, netto:
| Markt | avgR netto | t |
|---|---|---|
| EURUSD | −0,152 | −8,3 |
| GBPUSD | −0,100 | −5,3 |
| USDJPY | −0,138 | −7,0 |
| Gold | negativ | — |
Alle Zellen des Morgen-Rasters sind negativ, in beiden Teilperioden (2015–2020 und 2021–2026). Der Mechanismus ist die Kommission: Bei Stop-Distanzen von 5 bis 12 Pips kostet ein Round Turn von 6 USD je Lot 0,05 bis 0,11 R pro Trade, vor jedem Spread. Der rohe Breakout ist morgens nahe null, die Toll drückt ihn zuverlässig darunter. Ein Setup, das brutto tragfähig aussieht, kann so netto ein Verlustgeschäft sein.
2. Auch die Spiegelung ist tot
Wenn 69 % der Morgen-Breaks scheitern, liegt der Gedanke nahe, das Gegenteil zu handeln: über der Kerze short, darunter long, Stop 1 R. Wir haben das analytisch auf n=5.919 (EURUSD und GBPUSD) gespiegelt:
| Variante | avgR | t |
|---|---|---|
| Original-Breakout | −0,061 | — |
| Anti-Breakout | −0,186 | −15,0 |
| Nicht handeln | 0,000 | — |
Alle zwölf Jahresscheiben negativ, Trefferquote fällt von 30,8 auf 22,8 %. Der Grund sind die Doppelkosten: Der Spread ist relativ zur kleinen Morgenkerze riesig, zweimal Kosten sind 0,345 R Vorab-Malus. Die Beobachtung „Breaks scheitern oft" stimmt, der Schluss „also ist das Gegenteil profitabel" nicht. Fehlausbrüche enden im Chop, nicht in einer 1-R-Gegenbewegung.
3. Der Nachmittag: ein Fenster, nicht das erwartete
Gesucht hatten wir die Kerze um 08:15 New York (14:15 Berlin), die Zeit der US-Datenveröffentlichungen. Gefunden haben wir den Peak zwei Stunden früher, am späten Londoner Vormittag (05:00–07:00 New York, im Sommer 11:00–13:00 Berlin):
| Markt | avgR netto, Peak-Zelle | t |
|---|---|---|
| USDJPY | +0,39 | 15,1 |
| EURUSD | +0,32 | 13,7 |
| GBPUSD | +0,29 bis +0,31 | 12,0 |
| Gold | +0,26 | 11,5 |
Der Buckel ist breit, positiv in beiden Teilperioden auf allen vier Märkten, und der Rollover ist beidseitig sichtbar: um 04:00 New York liegt der Wert bei null. USDJPY, das morgens negativ war, ist nachmittags der stärkste Markt.
Die ursprüngliche Zielkerze um 08:15 New York ist ein realer, aber sekundärer Nebenpeak: EURUSD +0,14, USDJPY +0,17, GBPUSD +0,08, Gold +0,04 (t = 1,8, nicht signifikant). Eine Zerlegung nach Kalender zeigt, warum: An Arbeitsmarktbericht-Freitagen liefert diese Kerze +1,0 bis +1,2 R (t ≈ 5), an allen übrigen Tagen etwa null. Sie ist ein News-Setup, das Vormittagsfenster trägt den Alltag.
Ein Gegencheck mit Session-Ende-Exit um 16:00 New York statt Mitternacht ändert nichts: EURUSD +0,318, GBPUSD +0,269, USDJPY +0,393, Gold +0,234. 99,5 % der Trades hat der Trail vor 11:30 New York beendet, der Median-Exit liegt etwa 1,5 Stunden nach dem Entry.
4. Asien und der zweite Break
Um die Session-Landkarte zu schließen: Gold zum Shanghai-Open −0,101 R (t = −4,8), USDJPY zum Tokyo-Open −0,068 R (t = −3,7), beide in beiden Teilperioden negativ. Von 30 Zellen trägt genau ein Fenster.
Beide Seiten der Vormittagskerze zu handeln wäre verheerend: Der zweite Break der Kerze liegt auf allen vier Märkten bei −0,56 bis −0,69 R (|t| 23 bis 38), an 54 bis 69 % der Trade-Tage gibt es einen Whipsaw. Für Gold kippt die Summe von +688 R (nur erster Break) auf −709 R (beide). Das ist der Index-Befund aus unserer Studie zur Exit-Logik in extremerer Form.
5. Nachtrag: das 10-Minuten-Raster und eine Messfalle
Ein zweiter Durchlauf mit durchgehendem 10-Minuten-Raster (ohne Kommission, deshalb absolut optimistischer) hat den Befund für Gold bestätigt und für die FX-Paare verschoben. Gepaart auf Tagesebene, Mittagsfenster 12:00–12:30 gegen Spätnachmittag 17:30–18:30 Berlin:
| Markt | Tage | Mittag | Nachmittag | Δ | t |
|---|---|---|---|---|---|
| Gold | 2.946 | +0,296 | +0,287 | −0,009 | −0,3 |
| EURUSD | 2.509 | +0,402 | +0,821 | +0,419 | +12,3 |
| GBPUSD | 2.614 | +0,381 | +0,630 | +0,249 | +8,2 |
Der Vorteil ist kein Trendtag-Artefakt: Auf EURUSD ist er an Chop-Tagen (+0,373) fast so groß wie an Trendtagen (+0,525), auf GBPUSD an Chop-Tagen (+0,281) sogar größer als an Trendtagen (+0,273). Der Stundenblock 17–19 Uhr Berlin überlebt auch den Split vor und ab 2022 (EURUSD 18:00-Slot: +0,897 in-sample, +0,729 out-of-sample). Gold dagegen hat seinen Buckel im Block 11–13 Uhr Berlin (Spitze +0,37 bis +0,39) und ist nachmittags bei ruhigem Vorlauf schlechter (−0,166, t = −3,5).
Die Messfalle: Der erste Vergleich zählte mehrere Slots desselben Tages als unabhängige Beobachtungen und lieferte t = +24,9 statt +12,3. Bei Fenster-Vergleichen muss je Tag gemittelt und gepaart getestet werden; n ist die Zahl der Tage.
6. Was daraus folgt
- Das Londoner Morgenfenster ist für den Referenzkerzen-Breakout auf FX netto tot, und es lässt sich auch nicht durch Spiegelung retten. Die Kommission relativ zu kleinen Stop-Distanzen ist der Mechanismus, nicht ein Mangel an Bewegung.
- Der Edge auf FX und Gold sitzt vor und um das US-Open, nicht in der Datenveröffentlichungs-Kerze. Letztere ist ein reines News-Tag-Phänomen.
- USDJPY ist nachmittags der stärkste Markt, nachdem es morgens der schwächste war. Das ist ein Argument gegen „ein Markt, eine Uhrzeit" und für Messung je Zelle.
- Kosten in R, nicht in Pips oder Dollar. 6 USD klingen nach nichts; bei 8 Pips Stop sind es 0,075 R pro Trade, und das entscheidet zwischen positiv und negativ.
7. Grenzen
- In-Sample über 2015–2026. Die Teilperioden-Prüfung und der Split ab 2022 sind Robustheitschecks, kein Walk-Forward. Die Zellen-Wahl enthält leichte Selektion; dass der Buckel breit ist, mildert das.
- Kostenannahmen. Kommission 3 USD je Seite und die Spread-Konstanten sind Broker-Schätzungen. Das 10-Minuten-Raster in Abschnitt 5 modelliert keine Kommission; dort gilt der Vergleich zwischen Uhrzeiten, nicht das absolute Niveau.
- Exit-Konvention. Der Tagesschluss ist im Scan die lokale Mitternacht, nicht ein Session-Ende; der Gegencheck mit 16:00 New York zeigt, dass das praktisch keine Rolle spielt.
- Fester Berliner Anker im 10-Minuten-Raster. FX folgt New York; um Sommer- und Winterzeit ist das Fenster deshalb um eine Stunde unscharf. Die Nachmittags-Slots haben zudem weniger Episoden (etwa 1.800 bis 2.300 statt 2.950).
- Nicht getestet: Pyramidisierung, andere Timeframes als M15/M10, Silber und andere Rohstoffe, ein Hybrid aus Vormittagsfenster und News-Kerze an Berichts-Freitagen.